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Über alte und neue „ alte“ Schulbänke im historischen Klassenzimmer

Als ich 1949 in die Schule kam, gab es sie noch in jedem Klassenzimmer, die alten Holzbänke mit Vertiefungen für Tintenfässer und Klappsitzen.

Als ich zwanzig Jahre später in Ebersbach als Lehrerin arbeitete, gab es sie zunächst auch noch, am längsten im damaligen Zimmer 4.

Wenn ich mich recht erinnere, handelte es sich um Viererbänke mit Klappsitzen. Die Vertiefungen für Tintenfässer waren eigentlich leer, aber sie dienten oft als Müllablage mit Abfall vom Bleistiftspitzen oder Ähnlichem. Die Kinder schrieben alle mit einem Füllfederhalter.

Tintenfässer brauchte man schon lange nicht mehr.

Die alten Bänke ruhen nun seit dem Ende der siebziger Jahre in der ehemaligen Sandgrube von Ebersbach. Man hat sie dort abgekippt, mit Müll überhäuft und später mit Erde abgedeckt. Die Schule hatte Tische und Stühle bekommen und die Verantwortlichen wussten nicht wohin mit den Bänken und sahen keine andere Möglichkeit, sie loszuwerden.

Die Tische und Stühle machten einen viel freundlicheren Eindruck als die alten Bänke. Für die jüngeren Schüler gab es kleinere Stühle und dazu passende Tische und bei den älteren waren sie so groß, dass Erwachsene auf den Stühlen sitzen konnten. Auf kleinwüchsige ältere bzw. großwüchsige jüngere Schüler wurde nur in den seltensten Fällen Rücksicht genommen.

Die Stühle hatten für die Zappelphilippe unter den Kindern einen großen Vorteil: Man konnte kippeln! Dumm war nur, wenn man dabei umkippte.

Sitzmöbel für junge Menschen sind eine Qual, wenn sie nicht zur Körpergröße passen und man stundenlang darauf zubringen und auch noch stillsitzen muss. Die einzige Abwechslung für den Körper war das Aufstehen während des Unterrichts, wenn man vom Lehrer bzw. von der Lehrerin aufgerufen wurde und antworten musste. Das gibt es erst seit der sogenannten Wende nicht mehr.

Dass unpassende Sitzmöbel in der Schule Haltungsschäden bewirken, stellte schon Dr. C. H. Schildbach fest, der um 1860 in Leipzig über 1000 Kinder untersuchte und bei den meisten eine seitliche Abweichung der Wirbelsäule feststellte.

In seinem Artikel „Eine neue Schulbank“, von dem ich leider nur eine Kopie habe und nicht sagen kann, wo er abgedruckt wurde, berichtet er u. a. vom Kaufmann Ernst Kunze aus Chemnitz, der mehrere Probebänke bauen ließ und endlich das Non plus ultra herausfand, mit dem er Orthopäden und Pädagogen zufriedenstellen konnte. Ob auch die Kinder in der Bank glücklich waren, ist in dem Artikel nicht zu erfahren.

Die Abbildung aus besagtem Artikel zeigt einen Holzstich von 1869. Das Besondere an dieser Bank war, dass sich die Schreibplatte so verändern ließ. dass Schüler besonders beim Schreiben eine gesunde Sitzhaltung einnehmen konnten.

In meinem Artikel „Über die Sitzmöbel“ vom November 2012 führte ich an, dass es um 1900 ca. 200 verschiedene Arten vom damaligen Standardmöbel Schulbank gab.

Im Schulmuseum Ebersbach stehen seit längerer Zeit drei verschiedene Exemplare, wobei die zwei Einsitzer über 100 Jahre alt sind und der Zweisitzer aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammen soll.

Die beiden Einsitzer aus Holz sind edel, sie genügen den gesundheitlichen Ansprüchen der Orthopäden, denn sie sind für die verschiedenen Körpergrößen einstellbar, haben eine schräge Schreibplatte und eine Vertiefung für die Ablage der Schreibutensilien. Eine kleine Leiste am unteren Rand der Schreibplatte verhindert das Abrutschen von Heften und Büchern. Bei einer Bank befindet sich an der Schreibplatte sogar ein Ständer für das Aufstellen eines Buches. Außerdem bedeckt die Platte, die man anheben kann, einen kleinen Kasten, indem man verschiedenen Schulsachen unterbringen kann.

Der Zweisitzer aus den dreißiger Jahren dagegen wirkt armselig. Er besteht ebenfalls ganz aus Holz, hat auch eine abgeschrägte Schreibplatte mit einer Vorrichtung für ein abdeckbares Tintenfass und eine Vertiefung für die Aufnahme von Griffel, Bleistift bzw. Federhalter, aber die Bank ist starr und steif und nicht für verschiedene Körpergrößen anpassbar.

Und gerade diese Bank diente als Vorbild für die sieben Dreierbänke, die von der Tischlerei der Diakonie Hartha für das Schulmuseum Ebersbach nachgebaut wurden.

Etwas Anderes wäre nicht bezahlbar gewesen. Sie sehen sehr schön aus, diese Bänke, die Abmessung wurden so gewählt, dass große Leute gut darinsitzen können. Die noch nicht erwachsenen Schüler werden auch zurechtkommen, sie müssen es ja in unserem Museum nicht lange darin aushalten.

Für die raffinierten Einrichtungen der Tintenfässer mussten wir uns eine einfache Variante ausdenken, die historisch nicht ganz einwandfrei ist, aber ihren Zweck erfüllt. Die Vertiefung für die Ablage der Schreibgeräte ist vorhanden, so sind sie auf der schrägen Schreibplatte vor dem Herunterrollen geschützt. Darunter finden die Schulranzen Platz.

In dem nach altem Vorbild frisch gestrichenen Museumszimmer wurden historische Schalter und Lampen installiert. Ein neu erworbener großer alter Schrank mit Glasscheiben, den der Ortschaftsratvorsitzende Jürgen Müller besorgt hat, steht an der Rückwand. Die beiden vorhandenen Schränke mit Glastüren und zwei Vitrinen wurden auf „Alt“ getrimmt. Noch viele Arbeiten, die zur Umgestaltung des Raumes nötig waren, bewältigte der aktive Kern des Freundeskreises in Eigenleistung. Dazu zählen Rosemarie und Rolf Schmid, Inge und Gernot Thiemig , Christine Müller und neuerdings auch Sabine Gründling.

Eine historische Rechenmaschine und andere diverse Utensilien müssen noch besorgt werden. Dann kann die Eröffnung stattfinden.

Für ein Klassenzimmer, in dem man historischen Unterricht erteilen will, hinterlässt der Raum einen passenden Eindruck und das vom Land Sachsen dafür bereitgestellte Geld ist für eine gute Sache ausgegeben worden.

Februar 2017                                                                                                           Christine Müller

 

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